Kimberly Brubaker Bradley: "Gras unter meinen Füßen"
Wie gut, dass uns ausgerechnet Ada durch ihre Kindheit während des Zweiten Weltkrieges führt. Ada ist nämlich zäh, neugierig und nimmt ihre Zukunft lieber selbst in die Hand. Dadurch entsteht beim Lesen nie das Gefühl, die Ereignisse wären unerträglich. Ada ist die Ich-Erzählerin in dem Roman „Gras unter meinen Füßen“ von Kimberly Brubaker Bradley. Das Mädchen wächst eingesperrt in einem Zimmer in London auf, bis es neun Jahre alt ist. Denn die Mutter schämt sich für Adas Klumpfuß und behandelt sie lieblos und schlecht.
Als im Jahr 1939 Bombenangriffe auf London drohen, werden die Kinder der Stadt evakuiert und aufs Land in Sicherheit geschickt. Auch Adas kleiner Bruder Jamie ist dabei. Ada kämpft sich gegen den Willen ihrer Mutter frei und begleitet Jamie heimlich auf dieser abenteuerlichen Reise. Alles ist für Ada nun eine Herausforderung: die Frau, bei der die beiden Kinder untergebracht werden, das Reiten lernen mit ihrem verformten Fuß auf dem Pony Butter, die fremde Welt außerhalb des kleinen Londoner Zimmers und alle Bedrohungen, mit denen der Krieg sie konfrontiert.
Aber auch Ada selbst ist oft eine Herausforderung. Sie bringt sich und ihre Mitmenschen an Grenzen, überschreitet Grenzen und eröffnet einen Blick auf die Welt, den andere auf dem Weg ins Erwachsenenleben oft verlernt haben.
Ohne belehrend zu wirken, werden historische Ereignisse und Kriegsalltag nahbar gemacht und für ältere Kinder verständlich in das große Geschehen eingeordnet.
Es ist ein schmerzhaftes, wütendes, berührendes, hoffnungsvolles und bisweilen sogar lustiges Leseerlebnis, Ada auf ihrem Weg ins (neue) Leben zu begleiten.
