T. Kingfisher: "Dornenhecke"
Es gibt viele Märchen über schöne Prinzessinnen, böse Hexen und tapfere Ritter. Man weiß ganz klar was richtig und was falsch ist und zum Schluss gewinnen immer die Guten und leben glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage. Man kennt es.
So ein Märchen ist das hier aber nicht. Krötling ist zwar eine Königstochter, aber eindeutig nicht schön. Sie wird direkt bei ihrer Geburt entführt und wächst fortan im Feenreich auf. Eines Tages bekommt sie einen wichtigen Auftrag. Sie trainiert dafür jahrelang jeden Tag (Zeit vergeht im Feenreich anders) und als endlich ihr großer Moment gekommen ist, scheitert sie katastrophal. Der Segen, den sie über die Prinzessin sprechen sollte, wandelt sich zu einem Fluch und versetzt sie in einen tiefen tiefen Schlaf. Um das Schloss ranken sich Dornenhecken und schon bald gerät das Schloss in Vergessenheit. Kommt euch das bekannt vor?
Krötling ist nun für die nächsten Jahrhunderte dazu verdammt den Fluch aufrecht zu erhalten und dafür zu sorgen, dass die Prinzessin nicht von irgendeinem lästigen Königssohn gerettet wird. Das geht auch eine ganze Weile lang gut, bis Halim vorbeikommt und mit seiner freundlichen, sanften und rücksichtsvollen Art zu einer echten Bedrohung wird. Manche Flüche sollte man nämlich besser nicht brechen.
Wer schon mal den Verdacht hatte, dass uns die Gebrüder Grimm nicht immer die ganze Wahrheit verraten haben, dem sei diese wunderbare Neuinterpretation von Dornröschen wärmstens ans Herz gelegt.
