Gratwanderung zwischen Überleben und Perspektive im Mittelmeer und der Türkei

Vortrag und Gespräch mit Claus Peter Reisch

Termin: 10/27/2026 um 07:00 Uhr
Eintritt: frei

Der ehemalige Kapitän des Seenotrettungsschiffes „Lifeline“ Claus Peter Reisch berichtet über seine Einsätze im Mittelmeer.
Besonders zwei Einsätze, auf denen unter seiner Leitung mehr als 300 Flüchtende aus dem Mittelmeer gerettet werden konnten, machten ihn deutschlandweit bekannt. Beide Male suchte er lange nach einem Hafen, der die Geretteten aufnehmen würde. Beide Male musste er sich hinterher vor Gericht verantworten, kam sogar in Haft, wurde zunächst verurteilt, dann jedoch jeweils freigesprochen.
In seinem Vortrag beschreibt Reisch den Ablauf der Rettung von Geflüchteten. Wenn dann Menschen gerettet werden konnten – oft unter dramatischen Umständen –, geht die Arbeit für die Seenotretter im Mittelmeer weiter. Es ist nicht nur die Suche nach dem Hafen, sondern die Geflüchteten müssen etwas essen und trinken. Sie leben eine gewisse Zeit auf engstem Raum zusammen und müssen beschäftigt werden. Sonst drohe die Stimmung zu kippen, schließlich sind Boote wie die „Lifeline“ oder die „Eleonore“ nicht für diese Zahl an Menschen an oder auch unter Deck gebaut. Das Ende des Einsatzes der „Eleonore“ kam dann 2019 auch mit einem Unwetter. Nach sieben Tagen der ergebnislosen Suche nach einem sicheren Hafen steuerte Reisch in einem schweren Gewitter einen sizilianischen Hafen an. Die Geflüchteten konnten an Land gehen, Reisch musste zur gerichtlichen Anhörung. Das Schiff wurde beschlagnahmt und die Strafe von 300.000 Euro von einem Gericht zurückgenommen. Ein Sieg der Menschlichkeit, so Kapitän Reisch.

Nach seinen Einsätzen als Kapitän hat sich Herr Reisch weiter engagiert, und in der Türkei ein Schulprojekt ins Leben gerufen. Für das Back-to-School Projekt sind 2 Reisebusse als Klassenzimmer umgebaut worden um Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Das Nachfolgeprojekt ist das Kadifekale Lernzentrum in Izmir. Seit August 26 gibt es einen festen Lern- und Schutzort für benachteiligte Kinder und Ihre Familien.

Der Vortrag schildert anhand einer Seenotrettungsmission im zentralen Mittelmeer den Spagat zwischen Rettung der Menschen und der versuchten Kriminalisierung der Retter. Er zeigt aber auch auf die Fluchtursachen auf und beschreibt Wege aus der Misere.
Lassen Sie sich mitnehmen auf die Gratwanderung zwischen Überleben und Perspektive!

Wir freuen uns über Spenden für das Schulprojekt.

 

Kooperationsveranstaltung mit Amnesty International

 

Foto: Johannes Filous

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